Schloss Friedenstein in Gotha vom Bürgerturm aus

10 km | 180 Hm

Suhl - Gotha

Suhl -> Neudietendorf · RB44  | Neudietendorf -> Gotha ·RB20 

 

Meine erste Verbindung mit dem Deutschlandticket: Suhl- Gotha.
Ich betrete den Bahnsteig, grüße freundlich. Ein Mann schaut mich verwundert an, ich gucke verwundert zurück. Wir schweigen.
Ich bin nervös. Mir fehlt die Kontrolle. Ich lutsche meinem zweiten Anti-Rauch-Kirsch-Mentol-Bonbon. Mir fehlt die Geduld und zerbeiße meinen Nikotinersatz.

In Neudietendorf hat der Anschlusszug 10min verspätung.
Ich bin zu ungeduldig für sowas und steige in einen anderen Zug der fährt. Auch über Gotha.

Der Stadtpark liegt in unmittelbare Nähe des Bahnhofs und ist schnell erreicht. Es ist still, das Gras in feines Eis gehüllt und es entspannt mich.
Ich erledige noch einen Termin und mach mich direkt auf den Weg zum Bürgerturm.

Die Sonne scheint und es wird warm.
Vorbei am Müller-Tempel kommt auch Bald die Eisenkonstruktion für den Überblick. Schon bei den ersten Stufen wird mir klar: der Turm ist nicht nur für Bürger, sondern von Bürgern.

Heute ist es diesig, nichtsdestotrotz hat man einen schönen Blick auf den Thüringer Wald und die Wachsenburg über Gotha hinweg.

Die Innenstadt von Gotha liegt dem Schloss mit seinen Fachwerkbauten zu Füßen. Der Anstieg nimmt den Passanten die Eile und es wirkt angenehm geschäftigt. Einige Menschen haben sich in den Straßencafes niedergelassen.
Ich hole mir noch einen Touringen Stempel ab und schlendere langsam zurück.

Am Bahnhof angekommen steige ich in einen überfüllten Zug. Es riecht nach Knoblauch und ich habe mit mindestens drei Menschen gleichzeitig Körperkontakt.
Es ist mir gleich, ich hatte einen schönen Tag. 

Bis bald im Wald. 🤍💛🧡🩷💜💙🩵💚

Reinsberge mit Blick auf Plaue und den Thüringer Wald

21 km | 640 Hm

Suhl - Plaue

Suhl -> Plaue ·RB44

 
Ich bin pünktlich am Bahnhof.
Geplante Abfahrt: 8:50 Uhr.
Ich passe mich an und schweige dieses Mal.
Ein Mann sagt zu seiner Begleitung: „Bis jetzt lief es so verdächtig glatt.“
Dümdümdüm: „RB44 hat heute 5 Minuten Verspätung.“
„Warum sagst du sowas?“, höre ich mich sagen. Er schaut mich verwirrt an.
Ich bin still.
Es nieselt in Strömen. Der Zug kommt und es geht los.

Heute ist Plaue mein Ziel. Auf meiner Gotha-Tour fielen mir die Felsen bei Plaue auf. Ich mag Felsen.
Es ist perfektes Wetter. 20 % Regenwahrscheinlichkeit. Ergo 80 % trocken.
Einen großen Teil der Höhenmeter mache ich schon mit den ersten 2 km. Die kniehohen Stufen des letzten Stücks vor meinem Felsenglück zeigen mir die Bedeutung von Whub = m · g · h. Mein „m“ (Masse) ist spürbar. Aber gleich geschafft, also weiter.
Ich freue mich, als ich an der Klippe stehe und hinunter schaue. Die Ausläufer des Thüringer Waldes gehen sanft in die Weite des Thüringer Beckens über. Ich kann fast meine komplette Tour einsehen. Toll.
Ich sitze auf einer Bank, der Wind weht kalt, und schaue zu, wie die 20 % Regenwahrscheinlichkeit auf mich zukommen.
Ich kann es nicht aufhalten. Löffle meinen Joghurt zu Ende und setze die Mütze auf.
Der Pfad läuft direkt an der Klippe entlang. Es sind einfache Wege, wenig Steigung, wenig Wurzeln. Trotzdem komme ich nicht so recht voran. Ich muss gucken. Gucken, was Mutter Natur geschaffen hat.
Auf dem Goethe-zu-Bach-Wanderweg haben mich die 20 % Regenwahrscheinlichkeit im Griff.
Ich bin genervt … schon wieder dieser Goethe.
Ich wechsle auf den Bergpfad. 80 % trocken.
Die Felsen sind weg. Die Pfade werden immer breiter. Mir wird langweilig. Ich habe keine Lust mehr und bummele durch Martinroda. Es geht bergauf. Weite Felder mit Blick auf die Elgersburg und den Schneekopf. Ich schieße kleine Steinchen vor mich her. Es geht einfach geradeaus. Ein breiter, gerader Weg mit Steigung. Nicht mal der Wind geht hier. Bald stehe ich in Angelroda. Ein Dorf. Ein Feld. Keine Motivation mehr.
Noch 20 % vom Weg. Es zieht sich. Ich will nicht mehr.

Pünktlich am Bahnhof schaue ich in der App nach, von welchem Gleis er fährt.
Gleis 2, alles klar. Gleis 1 und 3 liegen beieinander, wie man es kennt. Gleis 2 irgendwo weit ab vom Schuss. Das Blindensignal ertönt hier im Sekundentakt.
Es macht mich fast wahnsinnig.
Der Zug kommt. Ich packe das Handy ein und stehe auf. Der Zug fährt an mir vorbei. Ich schaue blöd und renne Richtung Gleis 3. Der Zug fährt ab. Pünktlich. Ohne mich.

Bis bald im Wald. 🤍💛🧡🩷💜💙🩵💚 


Blick von Hörschelberg auf Hörschel - Rennsteig Beginn/Ende

10 km | 210 Hm

Breitungen (Werra) - Hörschel 

Breitungen (Werra) -> Eisenach · RB41  | Eisenach -> Hörschel ·RB6 

 
Der Bahnhof in Breitungen wurde 2025 modernisiert, sagt ein kupferfarbenes Schild.
Ich scanne den QR-Code für mehr Informationen:
Der Bahnhof Breitungen wurde 2023 modernisiert.
Ich runzle die Stirn und lese: „Für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl wurde das Wetterschutzhaus mit transparenten Platten ausgestattet.“
Ich schaue mir die vollgerotzten und beschmierten transparenten Platten an. Meine Falten werden tiefer. Das also ist der Zukunftsbahnhof.
Der Zug kommt. Pünktlich.
Pünktlich in Hörschel angekommen, geht es direkt nach oben.
Ein paar Meter später sitzen wir auf einer Bank und blicken auf Anfang und Ende des Rennsteigs.
Der schmale Pfad „Der lange Zug“ zieht sich bis nach Eisenach.
In Eisenach gibt es noch ein Eis, und schon stehe ich wieder am Eisenacher Bahnhof.
Keine transparenten Platten. Keine Modernisierung.

Bis bald im Wald🤍💛🧡🩷💜💙💚 


Schloss Saaleck, Hammelburg

11 km | 280 Hm

Suhl - Westheim Langendorf

Suhl -> Ebenhausen (Unterfr) · RE7  | Ebenhausen (Unterfr) -> Westheim-Langendorf ·RB50

 
"Eine Stunde dreizehn!?" - "Ist doch nicht schlimm" bewertet mein Kind.
Ok eine Stunde dreizehn Minuten.
Die Bahn und ich freunden uns langsam an und ich bin bereit Grenzen zu überschreiten. Die Thüringer Grenze.
Ich komme in Ebenhausen am Gleis 3 an. Trödeln kann ich gut und ich brauche 40 Minuten bis Gleis 4. Die restliche Zeit vertrödel ich im nu
Mein Zug fährt ein. Nur noch neununddreißig Minuten zu meinem Ziel.
Ich setze mich einem Mann gegenüber. Er zuckt ständig. "Gehts ihnen gut?" Es geht ihm gut. Gut.
Ich steige in Westheim-Langendorf aus und laufe nach Hammelburg.
Ich habe fünf Stunden und vierundvierzig minuten. Trödeln kann ich gut.
Es geht den Ofenthaler Berg hinauf. Mäßig. Die Luft steht. Wo ist mein Wind? Sollte es denn nicht bewölkt sein? Die Steigung zieht an. Die Luft flimmert.
Langsam kommen zweifel auf, ob das heute wirklich der Richtige Tag ist.
Es richt nach Weinreben.
Hammelburg ist die älteste Stadt mit Weinanbau. Erst jetzt, als ich dahin schmelze geht mir ein Licht auf. Weinbau. Immer Sonne. Kein Schatten. Hmpf.
Wind kommt auf. Toll. Starker Wind kommt auf. Nicht toll. Die Wolken hinterm Berg türmen sich auf. Gar nicht toll.
Ich überlege ob ich eine Beobachtungspause einlegen sollte. Der Storch fliegt über mich hinweg. Ok. Dann gehe ich weiter.
Zur Burg gibt es noch einen kurzen knackigen Anstieg. Menschen jubeln und Applaudieren. Ich hebe mein Kleidchen leicht und mache einen Knicks. Eine Stimme verkündet die besten Wünsche für Inge die heute Geburtstag hat. Achso.. 
Verdammt. Wieder Weinreben. Wo sind die Wolken? Fragt die Weinverkostungstruppe.
Auf der Burg Saaleck ist heute geschlossene Gesellschaft. Es ist so geschlossen dass ich keinen Menschen sehe. Nunja- der Turm ist auf. Ich schaue den Schwalben zu wie sie Insekten und sich gegenseitig fangen. Mir wird schwindelig. Aber es wird nicht regnen. Auch gut.
Der Akku meines Handys ist bald leer. Nicht schlimm denke ich. Den Weg zum Bahnhof findet man auch so.
Auf dem Weg in die Stadt dämmert es mir langsam: mein Deutschlandticket ist auf dem Handy. Panik steigt auf.
Die Kurbel im Kopf wird nochmal angeschmissen und ich gehe in ein Café. Bei Italienern ist immer alles kein Problem. So schlürfe ich zurückgelehnt mein Kaltgetränk, während das Handy drinnen versorgt wird.
Ich schaue über den Marktplatz. Warum gibt es hier keine Uhr? Ich schiele auf die Handgelenke der Leute - Smartwatch...hmpf.
Ich entdecke eine richtige Uhr und neige den Kopf um besser sehen zukönnen. "15.31 Uhr"- ruft mir das Handgelenk zu. "Danke"
Noch eine stunde dreizehn.
Mein Eis kommt.
Langsam werde ich nervös, bezahle und hole mein frisch geladenes Handy.

Am Bahnhof bin ich froh über die Leitlinien der Bahn: 

Transparent und Sicher.

Wer will den schon bei 30°Grad im Schatten sitzen?!

Bis Bald im Wald 🤍💛🧡🩷💜💙🩵💚 


1 km | 0 Hm

Ebenhausen (Unterfranken)

Wartezeit eine Stunde dreizehn
Suhl -> Ebenhausen (Unterfr) · RE7 

 
Der trollige Pfad verkürzt meine Wartezeit in Ebenhausen (Unterfranken).
Ich verstehe nicht ganz die Verbindung vom Illustrator John Bauer zur fränkischen Tongrube zu Biotop zu Schweden.
Der Bauer-Vater wurde wohl hier geboren... aus meiner Sicht zu Weit hergeholt. Aber was solls. Trolle sind Toll.
Ich begucke mir bunte Bilder. Es wurde hier ein seltener Käfer entdeckt... ok. Ich bleib bei den Trollen.
Das Gelände ist klein. So klein dass ich nur vierzig Minuten Vertrödeln kann.